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Diese Seite wurde am 02.03.2008 geändert.
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unterwegs in Nepal

aufgeschrieben von Friedemann Böttger > Link zur Bildergalerie
Ende Juli fuhren wir als Familie Böttger alle zusammen zu unserem Urlaub nach Nepal. Wir hatten dort einen Wanderurlaub geplant. Vor Antritt der Reise mußte das Gepäck optimiert werden, da wir vor hatten unsere Habseligkeiten während des Urlaubes im Rucksack mit uns umher zu tragen. Zunächst ging es mit einem Mietwagen nach Frankfurt. Dort startete unser Flug, der über Bahrain nach Kathmandu ging. Nach 6 Stunden Flug kamen wir am Abend in Bahrain an. Dort mußten wir die Nacht verbringen, da unser Anschluß nach Kathmandu erst am nächsten Vormittag weiterging. Wir hatten unsere Schlafsäcke im Handgepäck dabei und haben es uns im Flughafenterminal auf den Bänken gemütlich gemacht. Etwas ermüdet kamen wir dann am nächsten Abend in Kathmandu an. Dort empfing uns eine zunächst völlig ungewohnte Atmosphäre: viele Menschen, viel Lärm und Gestank. Kaum verlässt man das Flughafengebäude, so hat man eine Traube Menschen um sich, die das Geschäft wittern und einem jede Menge Hilfe anbieten. So sieht man sich schnell in ein „Taxi“ hineinbugsiert. Dieses Gefährt würde bei uns maximal 4 Menschen Platz bieten, hier waren wir mit unseren Rucksäcken und einem Begleiter des Taxifahrers zu siebent in dem Kleinwagen. Vorn saßen wir zu dritt, es war so eng, dass der Beifahrer den Schalthebel betätigen musste. Wild hupend bahnte sich das Gefährt den Weg durch enge Straßen voller Menschen. Eigentlich wollte uns der Chef unbedingt in ein besonders schönes und billiges Hotel bringen, wofür er zweifellos Schlepperlohn erhalten hätte, aber er ließ sich dann doch, wenn auch nicht besonders begeistert, darauf ein, uns in das Hotel unserer Wahl zu bringen. Wir hatten uns vorher schon informiert und in einem Hotel bereits von Dresden aus reserviert, dank Internet ist das ja leicht möglich. Auf unserem abendlichen Rundgang durch unser Viertel bekamen wir erste Eindrücke von dem orientalisch, quirligen Leben in Kathmandu.

Am nächsten Morgen mussten wir dann zunächst einmal unsere geplante Wanderung organisieren. Wir hatten vorher alternativ zwei Touren geplant: Eine Überquerung im Langtang-Gebiet oder die Umrundung des Annapurna. Nach Beratung in einem Trekkingbüro entschieden wir uns wegen der besseren Witterungsbedingungen in dieser Jahreszeit für die Annapurna Umrundung. In dem Trekkingbüro mieten wir uns einen Führer und einen Träger und alle nötigen Formalitäten (Genehmigungen usw.) wurden für uns organisiert.

Am Abend trafen wir noch mit unserem Führer zusammen und besprachen unsere Tour. Wir wollten 16 Tage unterwegs sein und dabei einmal den Annapurna (einer der acht über 8000m hohen Berge in Nepal) umrunden. Am nächsten Tag starteten wir morgens um 6 Uhr. Zunächst ging es mit Taxi zum Busbahnhof von Kathmandu. Dort wollten wir mit dem Überlandbus ca. 150 km nach Bessisahar fahren. Hier endet die Straße und es geht weiter nur noch zu Fuß. Auf dem Busbahnhof standen jede Menge Busse, alle ohne irgendwelche Schilder, die einem über das Fahrtziel Auskunft hätten geben können. Ohne Führer hätten wir in dem Gewühle wohl nie unseren Bus gefunden. Unsere Rucksäcke wurden auf dem Dach verstaut. Im Bus waren zunächst nur ganz wenig Menschen. Irgendwann kam dann aber der Busfahrer und ließ den Motor an. Durch wildes Gas geben desselben deutete er an, dass es nun demnächst losgehen sollte. Daraufhin füllte sich auch der Bus alsbald mit Menschen. Der Bus drehte noch einige Ehrenrunden durch Kathmandu, wobei der Schaffner aus der offenen Tür hing und das Fahrtziel herausschrie, um noch weitere Fahrgäste einzuladen. Nachdem der Bus ausreichend gefüllt war, ging es dann aus der Stadt heraus. In Nepal gibt es nur wenige Straßen und diese sind wegen der extremen Lage nicht gut in Ordnung. Deshalb fährt der Bus sehr langsam. Für die Strecke von 150 km benötigte er 7 Stunden Fahrzeit. Uns wurde die Zeit aber nicht lang, da es unterwegs viel zu sehen gab.

Von Juni bis September ist in Nepal Monsunzeit. Die feuchte warme Luft aus Indien regnet sich an den Hängen des steil aufsteigenden Himalaja ab. Dabei ist die Lufttemperatur allerdings ganz angenehm, so zwischen 25 und 30°C. Hinter der ersten Kette von 8000-er Gipfeln bleibt es dann weitgehend trocken, da die Wolken schon ihren ganzen Inhalt ausgegossen haben. Unsere Tour sollte uns auch in diese trockene, z.T. wüstenartige Gegend führen.

Zunächst mussten wir aber durch das Regengebiet. Wir liefen die ersten drei Tage im Regen. Es war so ziemlich egal, was man anzog, man war von oben bis unten nass, entweder vom Regen oder, wenn man sich Regenkleidung überzog, vom Schweiß. Da die Lufttemperatur aber angenehm warm war, hielt man es auch den ganzen Tag im nassen T-Shirt aus. Manchmal kam man sich dabei wie in einem Dampfbad vor. Da die Luftfeuchte nahe 100% war, trockneten die Sachen auch über Nacht nicht. Es kostete manchmal schon am Morgen etwas Überwindung, die nassen Klamotten wieder anzuziehen. Doch nach wenigen Metern wurde man warm und von neuem naß, so dass es sich gar nicht gelohnt hätte, trockene Sachen überzuziehen. Das Wasser floß nicht nur reichlich vom Himmel, sondern auch in großen Mengen von den seitlichen Felswänden. Dabei gab es oft riesige Wasserfälle mit Ausmaßen, die wir vorher in unseren heimischen Alpen nicht beobachten konnten.

Unser Weg führte uns im Tal des Marsyangdi-Flusses aufwärts. Der Fluß führt wohl um einiges mehr Wasser als unsere Elbe und hat dabei ein gewaltiges Gefälle zu überwinden. Auf den 75 Kilometern, die wir diesem Fluß folgten, betrug der Höhenunterschied etwa 3000 Meter, während die Elbe auf den 500 km von Dresden nach Hamburg es gerade mal auf 110 Meter bringt. Das Gefälle war also rund 200 mal größer als das unserer Elbe. Dementsprechend schoss das Wasser mit einem riesigen Getöse und Gegurgel das Tal hinunter. Wenn man das einmal gesehen hat, kann man sich gut vorstellen, dass immer mal wieder Touristen ums Leben kommen, die in einen solchen Fluß gerutscht sind.

In diesem wasserreichen Gebiet gedeiht natürlich der Pflanzenwuchs hervorragend. Ein großer Teil der zum Teil steilen Hänge war terassiert und mit Reis und Mais bebaut. Für uns war der Reisanbau interessant zu beobachten. Da Reis bekanntermaßen einen Teil seiner Vegetationszeit im Wasser stehen muss, hatte man in mühsamer Arbeit das Wasser durch die Terassen geleitet und das bei steilen Hängen, wo die einzelnen Terassen oft nur einen Meter breit sein können. Man kann sich vorstellen, welch enorme Handarbeit vieler Generationen dahinter steckt, Maschinen gibt es dafür hier keine. Die Vegetation ist übrigens so üppig, dass in einem Jahr drei Ernten erzielt werden.

Die Nächte verbrachten wir in sogenannten Teehäusern. Das sind einfache Unterkünfte, in denen man auch essen kann. Traditionell sind diese Teehäuser an den Wegen für die Träger, die Karawanen und sicher auch für einheimische Reisende vorhanden. Heute sind sie natürlich mehr für die ausländischen Touristen da. In manchen dieser Herbergen verbrachten wir aber die Nacht auch mit Trägern, einmal z.B. mit Leuten, die lebende Hühner in einem Gestell auf dem Rücken das Tal hinauf trugen und in den Dörfern verkauften, ein andermal mit Pilgern, die nach Muktinath zu einem Heiligtum wollten. Meistens waren wir aber die einzigen Gäste im Quartier. Außer uns waren auf dieser Tour nur noch zwei Franzosen und zwei Australier unterwegs, denen wir dann täglich ein- oder zweimal begegneten. In der Hauptsaison (Oktober/November und April/Mai) sollen täglich bis zu 100 Menschen diese Tour laufen, da ist das sicher nicht so schön hier. Die Übernachtungskapazitäten sind jedenfalls auf solche Massen eingestellt.

Gegessen haben wir die landesüblichen Gerichte. Das wichtigste Gericht scheint das Daal Bhaat zu sein. Unsere Nepalis aßen das täglich. Das sind Linsen mit Reis und dazu eine Art Gemüsecurry. Die Gerichte sind alle sehr einfach und hauptsächlich vegetarisch. Im gesamten buddhistischen Gebiet (ab ca. 2500 m Höhe) gab es eigentlich nie Fleischgerichte im Angebot. Das mag an der buddhistischen Religion liegen, die alle Lebewesen hoch achtet und deshalb das Schlachten von Tieren zwar wohl nicht direkt verbietet, aber doch als schlecht empfindet. Andererseits mag das Fehlen von Fleisch auch auf die insgesamt kärgliche Situation in den höheren Lagen zurückzuführen sein. Wir haben auch gern Chapati (ein flaches Fladenbrot) oder tibetisches Brot (ein in Fett gebackenes Fladenbrot mit Backpulver) gegessen. Ansonsten gab es noch verschiedene Eierspeisen, gefüllte Teigtaschen und gebratene Kartoffeln oder Reis. Diese einfachen Gerichte haben nach manchem anstrengenden Tag unseren verwöhnten Gaumen immer gut geschmeckt.

Täglich begegneten wir vielen Trägern. Alle Waren müssen das Tal hinaufgetragen werden. Bis zum Ende des Tales braucht man dazu etwa 6 Tagesmärsche. Lebensmittel, Haushaltwaren, Hühner, Baustoffe und viele andere mehr werden so mühsam hinauf geschleppt. Die Träger tragen dabei enorme Lasten. Wir haben Träger getroffen, die ca. 100 kg trugen. Dabei gingen sie kaum langsamer als wir und machten auch erst nach einigen Kilometern eine Pause. Wir trugen unsere wenigen Dinge in guten Rucksäcken mit ausgeklügelten Tragesystemen. Die nepalesischen Träger tragen die Dinge in Körben oder einfach auf einem Lattengestell. Der größte Teil der Last wird über ein Stirnband auf dem Kopf getragen. Wir haben Träger getroffen, die 3 Meter lange Holzbalken auf dem Rücken trugen (3 Stück, ca. 20x20cm!), andere trugen ebenso lange Eisenrohre von ca. 40 cm Durchmesser auf dem Rücken bis zum Talende, wo ein kleines Wasserkraftwerk gebaut wurde. Wir haben uns diese Baustelle mal angeschaut, es wurden ca. 100 solcher Rohre benötigt, alles 6 Tage zu tragen! Für diese Arbeit erhält ein Träger täglich 120 Rupien, das entspricht 4 DM.

In Nepal wohnen Hindus und Buddhisten. Im tiefer gelegenen Teil des Landes, der sich direkt an Indien anschließt, wohnen Hindus, in den höheren, an Tibet angrenzenden Lagen überwiegen die Buddhisten. Beide Religionen leben hier friedlich, offensichtlich ohne gegenseitige Bekehrungsversuche miteinander. Auf unserer Tour durchwanderten wir beide Religionsgebiete. Ab ca. 2500 m erkannte man an den vielen Gebetsfahnen und Gebetsmühlen, dass man im buddhistischen Gebiet war. An jedem Ortseingang findet sich eine lange Reihe von Gebetsmühlen. Das sind einfache Trommeln aus Kupferblech, oder ersatzweise auch Konservendosen, die drehbar gelagert und mit einem Griffel zum Drehen versehen sind. Auf den Trommeln sind Gebetssprüche aufgeprägt. Man geht dann üblicherweise links an diesen Gebetsmühlen vorbei und versetzt dabei eine nach der anderen mit der Hand in Bewegung. Über den Gebetsmühlen und auch sonst überall sind Gebetsfahnen gespannt, das sind kleine farbige Wimpel mit aufgeschriebenen Gebeten. Die Farben der Fahnen haben eine Bedeutung (blau: Himmel, grün: Pflanzen, weiß: Berge, rot: Leben?)

Einmal erlebten wir auch eine Prozession. Ein Lama gefolgt von mehreren Ministranten zog durch den Ort und segnete die Häuser. Dazu wurde auf verschiedenen Instrumenten jeweils im wahrsten Sinne des Wortes eintönige Musik gemacht. Es war sehr eindrucksvoll, das mit anzusehen.

Wir besuchten auch einen über 80-jährigen Lama, der mit seiner Frau als „Zweisiedler“ ca. 500 Meter über dem Ort in einer ausgebauten Höhle schon seit 40 Jahren lebt. Er hat dort die Aufgabe, die Menschen, die über den Thorong-Pass wollen, zu segnen. Er wünschte uns auch „good luck“ für den Pass und goss uns ein rituelles, safrangefärbtes Wasser auf die Hände, von dem wir etwas schlürfen und den Rest über den Kopf streichen sollten. Früher wurde der Lama dafür mit Naturalien bezahlt, heute kostet es 100 Rupien. Zum Schluß reichte uns die Frau noch einen süßen schwarzen Tee.

Nachdem unser Tal den Hauptkamm des Himalaja zwischen den beiden Achttausendern Annapurna und Manaslu durchbrochen hatte, änderte sich plötzlich innerhalb eines Tages das Wetter grundlegend. Es war trocken und am Himmel gab es nur noch wenige Wolken. Nun konnten wir plötzlich auch nach und nach die Sechs- und Siebentausender am Ende des Tales sehen. Es waren grandiose Anblicke. Nur die Sicht zum direkt neben uns liegenden Achttausender Annapurna blieb uns noch versperrt. Eines Abends, ich saß auf einer Brücke und dachte bei mir, dass man von hier eigentlich einen idealen Blick zu diesem gewaltigen Massiv haben müßte, zogen sich plötzlich die Wolken auf und ich konnte für kurze Zeit die riesige Wand bis zum Gipfel erkennen. Der Gipfel lag 5000 Meter über mir und war nur 8000 Meter entfernt. Die 5000 Meter hohe und sehr steile Bergwand war grandios, eine riesige Folge von ganz steilen Gletschern mit gewaltigen Überhängen. Wir konnten uns gar nicht sattsehen an diesem einmaligen Anblick. Es dürfte äußerst selten sein, dass man aus solcher Nähe eine so hohe und steile Wand beobachten kann.

Am Ende des Tales waren wir auf ca. 4500 Meter Höhe gestiegen. Wir staunten, dass wir in dieser Höhe immer noch gelegentlich schöne Blumen finden konnten. Die letzten Etappen sind wir etwas ruhig angegangen, um genügend Zeit für die Gewöhnung an die Höhe zu haben. Nun musste noch der 5400 Meter hohe Thorong-Pass überwunden werden. An diesem Tag sind wir sehr früh aufgestanden, um gegen 4 Uhr morgens mit dem Aufstieg zu beginnen. Wir stolperten auf dem dunklen, nur mit unseren Stirnlampen oder Taschenlampen beleuchteten Pfad aufwärts, bis nach 5 Uhr die erste Tageshelligkeit uns den Weg beleuchtete. Wir waren schnell und erreichten den Pass früher als geplant schon um 8 Uhr. Die Höhe haben wir aber deutlich zu spüren bekommen, man ringt ständig nach Luft. Auf dem Pass wehte ein eisiger Wind, leider war keine weite Sicht. Trotzdem genossen wir die erklommene Höhe. Dann ging es steil 2000 Meter abwärts nach Muktinath.

Die Landschaft änderte sich erstaunlich schnell. Auch in tieferen Lagen gab es kein Grün mehr. Wir befanden uns in der Wüste. Nur dort, wo Wasser vom Berg floss, gab es ein wenig Grün. Muktinath ist eine Pilgerstätte für Hindus und Moslems. Hier gibt es eine heilige Quelle (oder besser gesagt 108 Quellen) und in einem Tempel eine Quelle, aus der Erdgas und Wasser gleichzeitig ausströmen, wobei das austretende Erdgas eine ewige Flamme speist. Die 108 Quellen entspringen alle nebeneinander und die Pilger, auch unsere beiden nepalischen Begleiter lassen sich das eiskalte heilige Wasser aller 108 Quellen über den Körper laufen. Auch wäscht man sich an den Quellen Körper und Haare mit Seife und die Zähne werden auch gleich damit geputzt. So wird hier ganz pragmatisch und ohne jegliche lähmende Feierlichkeit das Nützliche mit dem Rituellen verbunden. Wir erfrischten uns auch in dem Wasser.

Nun ging unser Weg durch das Kali Gandaki. Dieses Tal durchschneidet die beiden Achttausender Annapurna und Dhaulagiri. Die Talsohle liegt 7000 m unter den beiden umgebenden Bergen. Allerdings war die Sicht versperrt und ein Blick zur Karte zeigte uns auch, dass wir den wahrscheinlich bedeutenderen Blick zum Annapurna schon auf der anderen Seite gehabt hatten, weil wir dort viel näher am Gipfel dran waren. Das Kali Gandaki ist tief eingeschnitten, aber sehr breit (vielleicht 1000 m). Im Talboden ist alles voller Geröll und der Fluß mäandert träge dahin. Ringsumher ist alles Wüste. Nur einige stachlige Hartlaubgewächse spenden Nahrung für Ziegenherden. Das Laufen in diesem Tal bei kräftiger Sonne war nicht immer sehr angenehm, verstärkt wurde dieser Eindruck noch durch einen extremen Wind der ab 11 Uhr vormittags durch dieses Tal fegt und den Luftdruckausgleich zwischen Nepal und Tibet besorgt. Trotzdem war es ein landschaftlich großartiges Erlebnis.

Nach zwei Tagen kamen wir allmählich wieder in subtropisches Gebiet. Bananenstauden wuchsen in den Gärten und der reichliche Regen sorgte für gutes Gedeihen. Das Klima ähnelte wieder dem vom Beginn der Tour, denn wir hatten den Hauptkamm des Himalaja wieder durchquert. In diesem feuchten Gebiet gibt es noch eine nette Besonderheit. An den Sträuchern und Zweigen hängen große Blutegel. Wenn man die Zweige beim Vorbeigehen streift, hängen sich diese Viecher an einen und kriechen dann irgendwo am Körper, meistens an Beine oder Arme, um dort ihr blutiges Werk zu beginnen. Dummerweise tun sie das schmerzlos, so merkt man es erst bei der nächsten Inventur des Körpers am Abend oder bei einer Pause. Meist waren sie am Knöchel oder an der Wade, wenn man die Egel dann versehentlich zerquetscht, hat man sehr schöne Blutflecken in den Socken.

Einmal hatten wir direkt neben unserem Quartier am Fluß heiße Quellen. Das Wasser lief in ein Becken und dort konnte man stundenlang drin liegen. Zur Abkühlung sind wir dann immer mal in den Fluß gestiegen. Das Wasser war übrigens so heiss, dass kaltes Wasser beigemengt werden musste.

Bald darauf war unsere Tour auch schon wieder zu Ende. Wir fuhren mit dem Bus nach Pokhara, das ist die zweitgrößte Stadt Nepals. Die Busfahrt war noch einmal ein Erlebnis für sich. Diesmal benutzten wir den Local-Bus. Der war um einige Grade schrottreifer als das Gefährt, welches uns von Kathmandu zum Beginn unserer Tour gebracht hatte. Sabine und Friederike konnten sogar eine Weile auf dem Dach mitfahren. Auf einem anderen Bus sahen wir einige Ziegen auf dem Dach stehen, an der Reling mit Geschenkband angebunden. Pokhara liegt schön an einem See. Die Hauptstraße ist ein einziger Morast, nichts geteert oder gepflastert. Wir genossen noch einen schönen warmen Abend in einem Bungalow inmitten eines Gartens.

Am nächsten Morgen sollte es früh mit dem Bus nach Kathmandu weitergehen. Es stellte sich dann allerdings heraus, dass schon seit Tagen kein Bus mehr fahren konnte, weil die Straße von einem Erdrutsch weggerissen worden war. Es war auch keine Aussicht auf baldige Wiedereröffnung. Wir hatten aber nicht mehr viel Zeit, da unser Rückflug schon in zwei Tagen ging. Zum Glück gibt es hier einen kleinen Flugplatz, von dem man mit Kleinflugzeugen nach Kathmandu fliegen kann. Wir bekamen auch noch einen Flug, der vormittags um 10 Uhr starten sollte. Bis es los ging mussten wir dann aber noch lange warten, immer wieder vertröstete man uns, dass es noch ein wenig oder eine Stunde dauern würde. Um 17 Uhr kam dann endlich das Flugzeug, das andere Flugzeug der Fluggesellschaft saß wegen schlechten Wetters fest. So kamen wir dann doch noch am Abend in Kathmandu an.

Dort schauten wir uns am nächsten Tag noch ausgiebig die Stadt an. Es gibt viele alte, gut erhaltene Tempel und Paläste. Am beeindruckendsten war für uns die Köngigsstadt Patan, wo eine Menge alte Gebäude auf einem großen Areal stehen. Am Abend reichte es uns dann aber, wir laufen eben lieber durch die Natur als durch Städte. So war es aber doch noch ein schöner Ausklang des ganzen Unternehmens.

Die Reise hat uns viel Freude gemacht. Die tief eingeschnittenen Täler, die riesigen Berge, die gewaltigen Flüsse und der Wechsel des Klimas und damit verbunden der Vegetation von extremer Nässe zu absoluter Trockenheit innerhalb so kurzer Distanz waren für uns ein großartiges Erlebnis, welches wir um so mehr genossen haben, weil die ganze Familie daran beteiligt war. Viel Spass hatten wir, besonders die Kinder, mit unseren beiden nepalesischen Begleitern Gujo und Taki, die ca. 20 bis 25 Jahre alt waren. Eigentlich wären wir auch ohne Träger ausgekommen, der hatte am Ende weniger zu tragen als wir selbst. Aber so konnten uns unsere beiden Begleiter viel von dem, was wir sahen, erklären. Besonders schön war natürlich auch der völlig andere Lebensrhythmus: Ohne Hast und Auto Tag für Tag „nur“ so durch die Landschaft laufen.

Etwas schade fanden wir es aber, dass wir uns die Berge nur von unten ansehen konnten, denn was wir so am Rande des Tales mal nebenbei erklimmen konnten, das waren ja nur kleine, wenn auch hoch gelegene Hügel. Leider sind die Berge aber so hoch, dass man einfach längere Zeit braucht, um sich an die Höhe zu gewöhnen, aber reizen tun sie uns trotzdem.








einer der vielen Tempel in Katmandu

Pause während der 8 stündigen Anfahrt mit dem Bus zum Annapurnamassiv

unten im Regenwald erwischt uns der Monsumregen noch voll

ein Guest House - die Quartiere auf unserer Wanderung

ständig wechseln wir über riesige Hängebrücken die Talseite wenn mal wieder riesige Wände den Weg versperren

der Mischwald nach dem Regenwald

fast alles haben wir selber getragen

typische Gebetsmühlen vor einem Ort

verwinkelte Ortschaften liegen immer wieder mit grandioser Sicht auf die Berge im tief eingeschnittenen Tal

freier Blick auf den Annapurna II (knapp 8000müNN)

ein typischer Herd für ein Gasthaus mit 30 Betten

der Blick auf den Gletscher vom Annapurnamassiv

wir machen einen Tagesausflug zu einer Gletscherzunge vom Annapurnamassiv

nur wir Kinder steigen bis zur Gletscherzunge ab

auf 4900müNN werden lagsam die Wiesen dünner

UNO Spiel mit unserem Führer

Thorong-Pass - endlich auf 5400müNN

das "Pass-Gipfelkreuz"

es geht wieder tausende Meter runter

das Kali Gandaki kommt aus Mustang eine autonome Provinz gelegen fast wie Tibet

die Träger schleppen diese bis zu 100 kg schweren Balken per Kopfband über Tage hinweg zu den Baustellen

waten im eiskalten Gletscherwasser

im Tropenwald dampfen die Socken täglich

Rast an einem Teehaus

Treppen über Treppen

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